Initiative

Die Initiative zur Homepage „www.landaerzte.tirol“ geht auf die niedergelassenen Allgemeinmediziner Dr. Benjamin Huber und Dr. Caroline Straninger, Pfunds, MR Dr. Johann Öttl, Nauders, Dr. Stefan Krehn, Ried, Dr. Philip Plangger, Prutz und Dr. Robert Stefan, Fiss zurück. Sie haben sich Gedanken über die Zukunft der Landmedizin – und somit über ihre eigene berufliche Zukunft und die Versorgung der Einwohner und Urlaubsgäste außerhalb der Ballungszentren unseres Bundeslandes gemacht.  

Mit ihren Ideen, Vorstellungen und Forderungen zeigen sie auf, dass der Beruf der Landärztin und des Landarztes attraktiver gestaltet werden muss, um die medizinische Versorgung am Land auch in Zukunft sicherstellen zu können. Das Referat für Landmedizin der Ärztekammer für Tirol unter der Leitung von MR Dr. Klaus Schweitzer möchte auf dieser Plattform umfangreiche Informationen über den Beruf Landarzt vermitteln, aber auch die Problemstellungen darlegen, die die Arbeit einer Landärztin bzw. eines Landarztes behindern und teilweise so unattraktiv machen. Ohne eine rasche und nachhaltige Lösung droht die Zukunftsvision, dass tausende Bürgerinnen und Bürger nicht mehr wohnortnah hausärztlich versorgt werden können.

 

 

Beruf Landarzt

Die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) definiert als Landärztin oder Landarzt jene Ärztinnen und Ärzte, die als Allgemeinmediziner mit Gebietskrankenkassenvertrag in Gemeinden mit bis zu 3000 Einwohnern tätig sind oder in einem Ort mit maximal zwei Kassen-Allgemeinmedizinern eine Ordination betreiben.

In Tirol fallen mehr als die Hälfte aller Allgemeinmediziner und Allgemeinmedizinerinnen mit Kassenverträgen in diese Gruppe. Sie sind für die hausärztliche Versorgung verantwortlich und betreuen ihre Patienten und Patientinnen außerhalb der Ballungsräume bis hin in die oft weit abgelegenen Tiroler Talschaften. Neben der Patientenbetreuung in ihren Ordinationen besucht jede/r von ihnen auch bettlägrige Patientinnen und Patienten zuhause im Rahmen der ca. 1000 Hausbesuche, die auf jede Ärztin und jeden Arzt am Lande jährlich entfallen.

 

 

Problemstellung

In den nächsten zehn Jahren wird mehr als die Hälfte der derzeit rund 1800 in Österreich niedergelassenen Landärztinnen und Landärzte mit Kassenverträgen, davon 99 in Tirol, in Pension gehen.

Entscheidend für den Fortbestand einer wohnortnahen Patientenversorgung in den ländlichen Regionen wird sein, diese frei werdenden Stellen nachzubesetzen. Eine ausgeglichene Work-Life-Balance, die Annehmlichkeiten und Anonymität des Lebens in größeren Orten und Städten bilden oft eine unüberwindbare Konkurrenz zur Schönheit des Landlebens und der Erfülltheit einer lebensbegleitenden ländlichen Patientenbetreuung.

 

 

Herausforderungen

Die Herausforderungen, denen sich das Land Tirol, die Gemeinden und die Krankenkassen gegenüber sehen, sind groß, aber zu bewältigen. Es hilft nichts, Schuldige für Versäumtes zu suchen oder den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten, bis die Versorgungslage so schlecht ist, dass das Leben am Land noch unattraktiver wird, sich die ärztliche Versorgung als wichtiger Tourismusfaktor verschlechtert oder gar Menschen zu Schaden kommen. Wichtig ist es, die Zeichen der Zeit zu erkennen und Maßnahmen zu setzen, um junge Medizinerinnen und Mediziner für die Versorgung zu gewinnen.


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Merken

Lösungsansätze

Entlastung von „bürokratischen und administrativen Zeitfressern“, familiengerechte Arbeitsmöglichkeiten, zeitgemäße Zusammenarbeitsformen durch Gesellschaftsbildung oder Anstellung von Ärztinnen und Ärzten in Arztpraxen mit Teilzeitmöglichkeit, Zusammenarbeit in Netzwerken, Reduktion des wirtschaftlichen Risikos von Praxisgründung und Praxisführung, zumutbare Bereitschaftsdienstregelungen und ausreichende Erholungsphasen, Stärkung der ärztlichen Hausapotheken, praxisnahe allgemeinmedizinische Ausbildung in Studium und in der Lehrpraxis, leistungsgerechte Honorierungssysteme sowie Unterstützung durch ausreichend verfügbare nichtärztliche medizinische Leistungserbringer.

Ansprechpartner

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Präsident Dr. Artur Wechselberger

„Die Zukunft der Landmedizin wird angesichts des steigenden Frauenanteils in der Medizin wesentlich davon abhängen, ob es gelingen wird, mehr Frauen für die Tätigkeit als Landärztin zu gewinnen. Aber auch männliche Angehörige des ärztlichen Berufsstandes sind nicht mehr bereit, so zu arbeiten, wie es die Generation vor ihnen gewohnt war. Deshalb müssen sich die Rahmenbedingungen, unter denen heutzutage eine Praxis geführt wird, grundlegend ändern. Wesentliche Bestandteile familienfreundlicher landärztlicher Arbeitsmodelle sind zeitgemäße Gruppenpraxen, Teamarbeit in Hausarztpraxen, neue Praxisnetzwerke, Timesharing-Praxen, die Anstellung von Ärztinnen und Ärzten in Arztpraxen und geeignete Formen der Vertretung und der Bereitschaftsdienste. Zudem muss die Begeisterung für die Hausarzt- und Landarzttätigkeit schon im Medizinstudium entwickelt werden. Allgemeinmedizinische Lehrstühle an allen Medizinischen Universitäten sind notwendig. Auf dieses Grundwissen aufbauend soll dann eine gediegene, praxisbezogene Ausbildung nach dem Studium in der Lehrpraxis die jungen Ärztinnen und Ärzte zur Gründung oder Übernahme einer Landarztpraxis motivieren.

Zur Entlastung von Landärztinnen und Landärzten muss es außerdem zum Abbau von Bürokratie und Administration kommen. Öffentliche Unterstützung bei den oft großen Investitionen und Hilfe bei der Suche von Räumlichkeiten für Ordination und Wohnung können auch Anreize zur Niederlassung setzen.“

 

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MR Dr. Klaus Schweitzer

„Landärztinnen und Landärzte sind oft die ersten Ansprechpartner, wenn es um den raschen und unbürokratischen Zugang zu Medikamenten geht. Ihre landärztliche Hausapotheke ist ein wichtiger Beitrag zu einer wohnortnahen medizinischen und medikamentösen Betreuung. Außerdem stellen Hausapotheken für viele Landärzte einen nicht immer verzichtbaren Einkommensbestandteil dar, ohne den ihre Praxis wirtschaftlich nicht existenzfähig wäre. Landärzte sollten deshalb das uneingeschränkte und zeitlich unbegrenzte Recht auf das Führen einer Hausapotheke haben. Wir haben in vielen Regionen Österreichs und Tirols erleben müssen, wie der Verlust der ärztlichen Hausapotheke auch zur Schließung von Arztpraxen geführt oder die Wiederbesetzung einer vakanten Vertragsarztstelle lange verzögert hat.“

 

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Dr. Benjamin Huber

„In erster Linie wünschen wir uns eine Verbesserung der Lebensqualität und Anpassung der Landmedizin an die heutige Realität. Für viele Ärztinnen und Ärzte ist das Landarztdasein mit der Familie schwer vereinbar.
Wochenend-, Bereitschafts- und Nachtdienste sowie unvorhersehbare Arbeitszeiten und zahlreiche Fortbildungsverpflichtungen lassen ein geregeltes Familienleben mit ausreichend Zeit für Kinder kaum zu. Neben der medizinischen Herausforderung als Landarzt warten noch viele Zusatzaufgaben: plötzliches Unternehmerdasein, vollste alleinige Verantwortung, bürokratische Aufgaben, große finanzielle Investitionen.“

 

Stimmen

Stimmen zur landärztlichen Versorgung

Dekan Mag. Franz Neuner

Pfarrer im Seelsorgeraum Region Reutte Dekanat Breitenwang

 

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Christian Hammerle

Gemeinderat in Holzgau und Obmann des Sanitätssprengels

 

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NR Hermann Gahr

Forum Land Landesobmann

 

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Dir. Marianne Mayr

BVA Landesstelle Tirol
 

 

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BGM Hannes Eder

Bürgermeister Wildschönau
 

 

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Dr. Claudia Gebhart

Allgemeinmedizinerin in Arzl im Pitztal

 

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Dr. Hannes Lechner

Allgemeinmediziner in Fieberbrunn und St. Ulrich

 

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Diskussion

Reden Sie mit! Bringen Sie Ihre Erfahrungen ein! Lassen Sie uns und die Leserinnen und Leser dieser Seite an Ihren Beobachtungen und Verbesserungsvorschlägen teilnehmen!  

Aber vergessen Sie nicht, dass Sie sich nicht auf einer Beschwerdeplattform befinden. Auch medizinische Fragen können wir über dieses Format nicht lösen. Wir wollen, dass Sie mit Ihrem Kommentar dazu beitragen, die landmedizinische Versorgung unseres Bundeslandes zu verbessern und zu sichern. Je mehr Sie das tun, umso mehr fühlen wir uns in unserem Bestreben bestätigt und umso selbstsicherer können wir gegenüber den Entscheidungsträgern auftreten, unsere gut belegten Forderungen vortragen und an deren Umsetzung mitwirken. Und noch eine Bitte: Wählen Sie Ihre Ausdrucksweise so, wie es einer sachlichen Diskussion geziemt. Von Beschimpfungen und Beleidigungen hat niemand etwas. Ehrenrührige oder den gesetzlichen Bestimmungen widersprechende Einträge werden wir von der Seite nehmen.

Reden Sie mit

Chronik/Statistik

Viele Jahre zieht sich nun schon die Bemühung hin, das immer drängender werdende Problem der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung am Land zu lösen.

Bund, Länder, Gemeinden und Krankenkassen versuchen seit Jahren gemeinsam mit der Ärztekammer einen Weg zu finden. Stöbern Sie in unserem Archiv, um die Geschichte dieser Versuche mitzuverfolgen. Auch statistische Zahlen zu unserem Gesundheitswesen finden Sie hier.

zu den downloads

 

Kontakt

Ärztekammer für Tirol
Anichstraße 7, 1. Stock
6020 Innsbruck
Tel: +43 512 52 0 58-0
Fax: +43 512 52 0 58-130
E-Mail: kammer@aektirol.at

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